Die geschichtliche Entwicklung des Dieburger Feuerlöschwesens
Bereits im Jahre 1478 hatte die Stadt Dieburg zwei geschworene Feuerbeseher. Sie waren verpflichtet, wenigstens einmal im Monat von Haus zu Haus zu gehen und Umschau zu halten, dass kein Heu, Stroh und übermäßig viel Holz in den Häusern aufbewahrt wurde. Auch sollten sie auf übelverwahrte Backöfen und schadhafte hölzerne Schornsteine achten. Hierbei wurde jeder, dem ein Vergehen nachgewiesen wurde, zur Anzeige gebracht.

Die älteste erhaltene Feuerordnung für Dieburg stammt aus dem Jahre 1528. Sie wurde von dem Amtmann Hans von Bodungen ausgearbeitet. Aus dieser Feuerordnung geht hervor, dass der Löschdienst allgemein Bürgerpflicht war. Ernannte Feuermeister regierten das volckh und teilten die Hilfskräfte ein.

Unter dem Amtmann Kaspar von Elz, kurfürstlich-mainzischer Marschall, wurde von dem Amtskeller Ulrich Neu, dem Faut Valentin Lippert und den Ratsherren 1579 eine noch weitergehende Feuerordnung aufgestellt.

1706 kaufte die Stadt die erste Feuerspritze und erließ Kurfürst Lothar Franz von Schönborn eine neue Feuerordnung, die 1739 unter Kurfürst Karl von Elz neu gefaßt wurde. In allen Ordnungen seit 1579 waren verschiedene Handwerksfamilien namentlich verpflichtet, im Brandfalle diesen sofort zu bekämpfen. Dazu ergänzend wurde 1742 eine Brunnenordnung aufgestellt. Darin wurden die Bürger der Stadt zu einem Brunnen eingeteilt und durften nur dort ihr Wasser holen. Sie mußten jährlich für die Unterhaltung und Instandsetzung einen Gulden zahlen. Zwei Brunnenmeister, die vom Stadtrat eingesetzt wurden, führten die Aufsicht. Auch in der Brunnenordnung findet man viele Namen, die noch heute in Dieburg vertreten sind.

Nach Auflösung des Mainzer Kurstaates im Jahre 1803 fiel Dieburg an den Landgrafen von Hessen-Darmstadt. Deshalb trat dann die Hochfürstlich-Hessen-Darmstädtische Feuerordnung von 1767 in Kraft.Im Grunde glich sie der Feuerordnung von 1739, nur war sie mit ihren 60 Paragraphen in manchen Punkten ausführlicher.

Der 1. Großherzoglich Hessische Bürgermeister von Dieburg, Nikolaus Schumann, erneuerte 1822 im Einvernehmen mit dem Großherzoglichen Landrat Beck die alte Feuerlöschordnung. In dieser wurde erstmals die nachbarliche Löschhilfe erwähnt und geregelt.

1828 konnte unter Bürgermeister Nikolaus Hiemenz die zweite Feuerspritze, die 569 Gulden kostete, gekauft werden. Auch deshalb wurde es erforderlich, die Feuerordnung wieder zu aktualisieren.

Das Reglement über die Löschanstalt zu Dieburg von 1852 war die letzte Feuerordnung vor Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Dieburg. Die eher allgemeinen Bestimmungen waren in 17 Paragraphen unterteilt und enthielten keine namentliche Aufzeichnung der zum Löschen eingeteilten Mannschaften, wohl aber die Namen der aufsichtsführenden Gemeinderatsmitglieder.

Kurz nach Gründung des Dieburger Turnvereins im Jahre 1863 beschloß man die Bildung einer Löschmannschaft und im September des gleichen Jahres wurde die erste Übung der Turnerfeuerwehr abgehalten. Erster Brandmeister der Turnerfeuerwehr war Karl Hiemenz, zweiter der Schornsteinfeger Thomas Schaub. Man kann davon ausgehen, dass aus dieser Abteilung des Turnvereins die 1870 gegründete Freiwillige Feuerwehr hervorgegangen ist. Auch nach der Gründung stellte der Turnverein noch Mannschaften zur Bedienung einer Spritze.

Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Dieburg
Nach mehreren größeren Bränden sah man ein, dass die damaligen Löscheinrichtungen ganz und gar ungenügend waren, um einen größeren Brand erfolgreich zu bekämpfen. So traten in kurzer Zeit 76 Männer zusammen, die nach dem Vorbild größerer Städte eine Freiwillige Feuerwehr bildeten.

Am 29. Januar 1870 wurde die erste öffentliche Versammlung abgehalten und die vom vorläufigen Vorstand verfaßte Satzung der Versammlung zur Annahme empfohlen. Deshalb wird dieser Tag als der Gründungstag der Freiwilligen Feuerwehr Dieburg angesehen.

Am 7. Mai 1870 erhielt die Satzung die Genehmigung des Kreisamtes, und am 14. Mai 1870 wurde der Vorstand in einer Versammlung endgültig gewählt. Die Mitgründer hatten mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen und manches persönliche Opfer zu bringen.

Die Fahnenweihe
Am 30. Juni 1895 bekam Dieburgs noch junge Feuerwehr zum 25-jährigen Bestehen im Rahmen der Feierlichkeiten eine Fahne gestiftet, die auch an diesem Tag geweiht wurde.
In der Starkenburger Provinzial-Zeitung wurde über dieses Ereignis ausführlich berichtet:

29. November 1884
Im nächsten Monat sind es 25 Jahre, dass in Dieburg eine organisierte Feuerwehr besteht. Nach einem großen Brand im Dezember des Jahres 1869, dem ein Teil des Schlosses Stockau zum Opfer fiel, scharrten sich opferwillige Männer unserer Bürgerschaft zusammen, um als freiwillige Feuerwehr der verheerenden Macht des Feuers mit Energie und Umsicht entgegenzutreten und so ihre Mitmenschen vor vielen und großen Gefahren schützen zu können. Von den einstigen Gründern des Institutes sind nur noch ein Dutzend übrig geblieben, die sich nunmehr rühmen können, durch ihre humanen Bestrebungen die Dieburger Feuerwehr zu einer blühenden Einrichtung entwickelt zu sehen. Im nächsten Jahre soll daher das 25-jährige Bestehen des Vereins durch ein Jubelfest in würdiger Weise begangen werden. Wie wir hören, beabsichtigt man, bei dieser Gelegenheit der freiwilligen Feuerwehr zur Erinnerung an diesen Tag eine Standarte zu stiften und die Kosten hierfür durch freiwillige Gaben unserer liebenswürdigen Damen bestreiten zu können. Wenn man zurückdenkt an die Zeit, da wir uns nahezu wehrlos befanden gegenüber dem Elemente des Feuers, dessen verheerende Gewalt in wenigen Stunden Elend und Verderben bereitet, wo soeben noch Wohlstand und Friede gewaltet, scheint es wohl gerechtfertigt, wenn die Damen und nicht zum mindesten die Damen unserer wohlhabenden Bürgerschaft dazu beitragen, durch hochherzigen Gaben unsere freiwillige Feuerwehr mit einem Wert der Dankbarkeit zu beehren.

26. April 1895
Die Standarte der hiesigen Feuerwehr ist im Schaufenster des St. Bernwart-Institutes zu Mainz seit einigen Tagen ausgestellt und erregt ob ihrer schönen und geschmackvollen Ausführung die Aufmerksamkeit der Passanten.

01. Juli 1895
Zur Fahnenweihe am 30. Juni:
(...) Auf dem Festplatz begrüßte mit kernischen Worten Commandant Rödler die Festgäste und erteilte Herrn Bürgermeister Krausmann das Wort zur Festrede. Derselbe schilderte die wohltätigen Anstrengungen der Wehren und Entstehung die hiesigen in wohlgelungenen Worten und brachte ein dreifaches Hoch auf die Wehren aus.

Fräulein Anna Weber überreichte dann in beherzter Weise die entrollte neue Fahne dem Comandanten mit der Aufforderung, die auf ihr eingestickte Devise "Gott zur Ehr, dem nächsten zur Wehr!" stets hochhalten zu wollen. Dieser übergab sie wieder dem Fähnrich mit der entsprechenden Aufforderung der Heilighaltung, was dieser mit beredten Worten zusagte.


Der Kreisfeuerwehrtag 1910
Am 11. Juli 1910 konnte die Freiwillige Feuerwehr ihr 40-jähriges Jubiläum feiern, welches mit dem 11. Kreisfeuerwehrtag verbunden war. Eröffnet wurden die Feierlichkeiten bereits am Samstag abend mit einem Fackelzug und anschließendem Zapfenstreich.

Der Kreisfeuerwehrtag 1920
Vom 11. Bis 13. Juli 1920 fand das 50. Stiftungsfest statt. Aus diesem Anlaß richtete Dieburgs Feuerwehr den 16. Kreisfeuerwehrtag aus. Aus den Händen von Fräulein Veronika Wohlfahrt erhielt der Fähnrich eine von den Frauen und Jungfrauen gestiftete Fahnenschleife.
Die Ausrüstung der Dieburger Wehr wurde fortwährend verbessert. So schaffte die Stadt 1925 eine moderne Motorspritze an. 1929 wurde das Kreis-Gruppen-wasserwerk erbaut, infolge dessen Dieburg die ersehnte Wasserleitung bekam, die bei Bränden noch sehr oft von nutzen sein sollte.

Der Landesfeuerwehrtag 1930
Dieses Feuerwehrfest war der Geschichte zu Folge das größte und schönste, das in Dieburg in der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts gefeiert wurde. Die ganze Stadt war mit Fahnen und Blumen geschmückt.

Am Sonntag, dem 20. Juli 1930 fand der große Festzug statt, der auch der Höhepunkt des Festes war. Zu diesem Ereignis kamen viele Feuerwehren aus der Umgebung. Das sich anschließende Volksfest im Schloßgarten brachte die ganze Bevölkerung auf die Beine. Die Dieburger Feuerwehr und ihr damaliger Kommandant Jean Sambach konnten auf den schönen Verlauf des 26. Landesfeuerwehrtages und ihr 60-jähriges Gründungsfest stolz sein.

1930 hatte die Feuerwehr zwei große mechanische Leitern, eine Motorspritze, eine Saug- und Druck-pumpe, einen Hydrantenwagen, einen Schlauchwagen und zwei Leiterkarren. Damit galt die Wehr als sehr gut ausgerüstet.

Im Jahr 1939 bekam die Freiwillige Feuerwehr ein Tanklöschfahrzeug (LF 15). Dieses war damals eines der bestausgerüsteten Fahrzeuge und verfügte über einen Tank mit 1600 Liter Wasser.

Der Landesfeuerwehrtag 1950
Das dreitägige Festprogramm begann am Samstag, dem 8. Juli 1950, mit einer Tagung des Hessischen Landesfeuerwehrverbandes. Am Abend fand ein Festzug statt, der im Schloßgarten endete und dem sich ein Festkommers anschloß.

Tags darauf, am 9. Juli, wurde das neue Feuerlöschgerätehaus am Fechenbachschen Schloß an die Freiwillige Feuerwehr übergeben. Das Haus hatte einen 15m hohen Schlauchturm. Eine eingeschossige Halle von 22m Breite und 13m Tiefe nahm die neuzeitlichen Feuerlöschgeräte auf und konnte durch sechs Tore geöffnet werden. Innen war es in 3 Räume geteilt. In der linken Box, neben dem Schlauchturm, standen zwei alte Feuerspritzen, die Feldküche, eine mechanische Leiter und drei Hydrantenwagen. In dem mittleren und rechten Hallenteil befanden sich die fünf Feuerwehrfahrzeuge sowie die Ausrüstung der Feuerwehrmänner. Unmittelbar neben dem Feuerwehrhaus waren der Schulungsraum und eine Hausmeisterwohnung angebaut. Das Dachgeschoß diente als Lagerraum.

Nach der Übergabe fand auf dem Marktplatz eine Übung statt, an der sich auch die amerikanische Feuerwehr beteiligte. Der Landesfeuerwehrtag erreichte seinen Höhepunkt mit einem Festzug und einem großen Volksfest im Schloßgarten.

Landesfeuerwehrtag 1960
Zum dritten Mal seit der Gründung der Wehr richtet die Freiwillige Feuerwehr Dieburg einen Landesfeuerwehrtag aus. Die drei Tage, an denen die Fest- und Feierlichkeiten zum 90jährigen Jubiläum währten, nahmen einen guten und sicherlich in der Öffentlichkeit auch werbenden Verlauf. Zu diesem Großereignis kamen über 50 Feuerwehren von nah und fern in unsere Stadt.

Am 15. April 1961 übergab der Bürgermeister der Feuerwehr ein neues Tragkraftspritzenfahrzeug (TSF). Kurze Zeit später folgten zwei moderne Tanklöschfahrzeuge (TLF16). Im November 1969 faßten die städtischen Gremien den Beschluss, ein neues Feuerwehrgerätehaus zu bauen. Der Standort des Neubaues war zu diesem Zeitpunkt noch unklar.

Der Kreisfeuerwehrtag 1970
Vom 5. bis 8. Juni 1970 feierte Dieburgs Wehr ihren 100. Geburtstag. Auch diesmal wurde nicht alleine gefeiert, sondern mit dem ganzen Landkreis. Bereits eine Woche vorher wurde im Rahmen der akademischen Feier die neue Fahne geweiht und im Feschenbach´schen Schloß eine Ausstellung über die Geschichte der Dieburger Feuerwehr eröffnet.

Nach Inkrafttreten (1971) des Hessischen Brandschutzhilfeleistungsgesetzes nannte sich von 1973 an der Leiter der Dieburger Feuerwehr Stadtbrandinspektor und nicht mehr Kommandant. Der damalige Kommandant Hans Kramer wurde in der Jahreshauptversammlung zum ersten Stadtbrandinspektor der Stadt Dieburg gewählt.
Für den geplanten Hauptfeuerwehrstützpunkt Dieburg erhielt die Wehr in den kommenden Jahren mehrere Fahrzeuge, wie z. B. ein Löschgruppen-, ein Flutlicht- und ein Ölschadenfahrzeug. Nachdem 1972 das Gelände Am Altstädter See als Standort für den neuen Komplex bestimmt wurde, fand am 1. März 1974 die Grundsteinlegung des ersten Feuerwehrstützpunktes im Landkreis Dieburg statt. Nach nur neun Monaten, am 18. Dezember 1974, konnte Richtfest gefeiert werden. Ein halbes Jahr später bekam die Feuerwehr Dieburg einen Rüstwagen (RW2), der den Fuhrpark komplettieren sollte. Am 22. Mai 1976 wurde die Hauptstützpunkt-Feuerwache in Anwesenheit des Hessischen Innenministers Hans-Heinz Bielefeld und vielen anderen Ehrengästen ihrer Bestimmung übergeben. Dieburgs Feuerwehrstützpunkt war damit der 59. seiner Art in Hessen, der fertiggestellt wurde. Seit diesem Tag standen der Wehr neun Fahrzeugeboxen, eine Waschhalle, eine Schlauchwäsche mit Trockenturm, Schulungs-, Verwaltungs- und Sozialräume sowie erstmals eine Atemschutzübungsstrecke zur Verfügung. Für die Wehr bedeutete das aber nicht nur räumlicher Gewinn und technische Verbesserung, sondern auch mehr Arbeit und Ausbildung. Ein Vergleich der Einsatzaufkommen vor und nach dem Umzug bis heute zeigt seitdem einen deutlichen Anstieg der Einsatzzahlen. Insbesondere die Zahl der auswärtigen Einsätze stieg wegen der nur einmal im Landkreis vorhandenen Sonderfahrzeuge sprunghaft an.

Das 110-jährige Jubiläum
Im April 1980 erhielt Dieburgs Feuerwehr die erste und einzige Kraftfahrzeugdrehleiter (DLK 23/12) des Altkreises Dieburg. An der Finanzierung der bis dahin teuersten Einzelbeschaffung beteiligten sich neben dem Land Hessen, dem Landkreis und der Stadt Dieburg auch die Gemeinden Babenhausen, Eppertshausen, Groß-Bieberau, Groß-Umstadt, Groß-Zimmern, Münster und Reinheim.

In den Tagen vom 23. Bis 26. Mai 1980 fanden im Schloßgarten die Feierlichkeiten zum 110-jährigen Jubiläum statt. Der Höhepunkt waren sicherlich die Übergabe des neuen Tanklöschfahrzeuges (TLF 24/50) am Samstag sowie der Sternenmarsch der Feuerwehren und Spielmannszüge am Sonntagnachmittag.

In den Jahren 1986, 1988 und 1990 wurden Stützpunktfeste ausgerichtet, bei denen sich die Freiwillige Feuerwehr der Bevölkerung der Stadt Dieburg mit Schauübungen und Fahrzeugausstellungen vorstellte.